Authentizität - "der" Erfolgsfaktor für Führungskräfte?
In der aktuellen Ausgabe (Nr. 21 v. 21.5.07, S. 118) der Wirtschaftswoche kommen mal wieder Vater und Tochter Welch in Ihrer Kolummne zu Wort. Es werden hier jeweils Fragen von Lesern (vermute ich mal; ich hoffe, dass sich die beiden die zum Teil hemmunglos naiven Fragen nicht selber ausdenken) aufgegriffen. Nun wurden die beiden gefragt, welche Fähigkeiten bei Führungskräften tatsächlich unerläßlich für die Karriere seien.
Und da fällt den beiden doch nichts Besseres ein, als wieder mit der Authentizitätskeule um die Ecke zu kommen. Hier einige Aussagen aus dem Artikel:
- Zitat: "Denn es ist schlicht unmöglich, durch Manipulation Karriere zu machen, indem man die eigene Persönlichkeit verbiegt oder sogar komplett umkrempelt."
- Zitat: "Betrachten Sie die Authentizität als Ihre Basis. Lassen Sie nicht zu, dass irgendeine Organisation versucht, sie Ihnen auszutreiben - ob subtil oder ganz direkt."
- Zitat: "Wenn Sie hingegen Ihre ganze Persönlichkeit ins Spiel bringen, könnten sich Ihre Chefs beschweren, das Sie zu emotional reagerien..."
Na, prima! Ich frage auch immer gerne in meinen Führungskräfte-Seminaren, ob jemand denkt, Authentizität sei das Wichtigste. Und die meisten antworten mit einem beherzten "Ja", bevor Ihnen dann nach meinem "Und für mich ist das, was damit gemeint ist, oft riesiger Blödsinn!" die Gesichtszüge entgleisen.
Authentizität bedeutet "Echtheit" und stammt ursprünglich aus dem griechischen ("Glaubwürdigkeit"). Entscheidend ist aber nicht, dass man sich "echt" entsprechend seiner Persönlichkeit verhält. Denn sonst wäre ja der herum brüllende Choleriker richtig authentisch. Und wenn dann noch Aussagen gemacht werden, man solle sich das nicht "austreiben" lassen, dann verschlägst mir die Sprache (drum schreibe ich jetzt drüber ;-)
Also: Natürlich ist es über alle Maßen wichtig, dass Führungskräfte glaubwürdig sind, sich nicht gekünstelt verhalten (also in einem anderen Sinne "echt" sind). Aber noch wichtiger ist es, zu wissen, dass die "Echtheit" im Auge des Betrachters liegt!
In der (finde ich) sehr guten Definition auf Wikipedia heißt das dann so:
"Eine als
authentisch bezeichnete Person
wirkt besonders
echt, das heißt, sie vermittelt ein Bild von sich, das
beim Betrachter als real, urwüchsig, unverbogen, ungekünstelt wahrgenommen wird. Dabei muss es sich n
icht notwendigerweise um die realen Eigenschaften des Betrachteten handeln, sondern es können auch
Zuschreibungen des Betrachters diese Eindrücke verursachen, die etwa auch Teil einer gelungene Inszenierung
darstellen können ... Auch in der Management-Sprache bezeichnet man es oft bereits als Authentizität, wenn eine Person den
Effekt von Echtheit erweckt." (Hervorhebungen von mir; hier der Link zur Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Authentizit%C3%A4t#Authentizit.C3.A4t_von_PersonenWenn Sie also in Zukunft mit anderen über authentisches Verhalten von Führungskräften diskutieren, dann sind Sie jetzt ein klein schlauer und können schneller "dummes Gequassel" identifizieren ... und dann entweder stehen lassen oder das Ganze mal richtig stellen.
Herzliche Grüße,
Ihre Profis für Führung und Kommunikation
Ralf & Andrea Jansen
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Labels: Führung Authentizität Karriere